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Die Grundsätze der Erbschafts- und Schenkungssteuer

Die Erbschafts- und Schenkungssteuer unterliegt immer wieder verschiedenen Reformen.
Zuletzt hat der Gesetzgeber sie 2009 und 2016 reformiert.

© Rechtsanwältin Dr. Bettina Schacht, Gunzenhausen

Keiner unserer Mandanten denkt an Erbschaftssteuern, wenn er das private Testament aufsetzt.

Alle sind irgendwann unangenehm überrascht.
Damit sich das ändert, haben wir einige Hinweise zusammengetragen.

Suchen Sie hier Ihr Stichwort:

Wie kann der Erblasser zu Lebzeiten bereits Erbschafts- und Schenkungssteuer sparen?

Die Höhe der Steuerbelastung spielt für Übertragungen eine große Rolle.

Das gilt für Übertragungen zu Lebzeiten und für solche im Todesfall.
Der Mandant kommt oft mit der noch vorherrschenden Meinung, die Gegenstände, die zu Lebzeiten oder im Fall des Todes übertragen werden, sind mit dem niedrigeren Bedarfswert oder gar dem Einheitswert nur zu besteuern.
Viele wissen nicht, dass zwischenzeitlich für die Bewertung von Schenkungsgegenständen und Nachlassgegenständen in der Schenkungs- und Erbschaftssteuer die Verkehrswerte zugrunde zu legen sind.

Hohe Immobilienpreise – hohe Erbschaftssteuer

Gerade in Regionen, in welchen die Immobilienpreise sehr hoch sind, kann es schnell zu einer Besteuerung kommen, die erheblich ist, wenn die Verkehrswerte zugrunde zu legen sind.
Die Freibeträge sind dann häufig ausgeschöpft.
Denkt man an Ballungsräume, wie die Münchner, Ingolstädter oder Nürnberger Gegend, ist für ein Einfamilienhaus oftmals ein Wert jenseits von 1 Million € anzusetzen.
Die Freibeträge der Schenkungs- und Erbschaftssteuer sind dort schnell ausgeschöpft und es kommt zu ganz erheblichen Steuerbelastungen.

Vorausschauende Gestaltungen können Steuerlasten verhindern oder wenigstens vermindern

Bei unseren vorausschauenden Gestaltungen werden diese Steuerbelastungen berücksichtigt.
Der Mandant wünscht Beratung daher auch im Hinblick auf den Liquiditätsabfluss im Falle der Steuerbelastung.
Nicht selten müssen Erbschaften wegen der drohenden Steuerlast abgelehnt werden.

Die Prinzipien der Erbschafts- und Schenkungssteuer

Einheitswerte gelten nur für Zuwendungen und Erbschaften bis 1996.
Bedarfswerte gelten nur für Zuwendungen und Erbschaften bis 2009.

Seit 2009 gelten – mit wenigen Begünstigungen – Verkehrswerte, die das Finanzamt selbst feststellt:
Bei Immobilien erfolgt eine Bewertung durch das Finanzamt in einem separaten Festsetzungsverfahren.
Zuständig ist das Finanzamt, in dessen Bezirk die Immobilie belegen ist.

Welche steuerlichen Vergünstigungen und Freibeträge gibt es?

Steuerliche Begünstigungen bestehen für das Familienwohnheim und für das Betriebsvermögen.
Je nach Verwandtschaftsgrad gibt es unterschiedliche Freibeträge.

Die Freibeträge
Je nach Grad der Verwandtschaft des Begünstigten zum Erblasser oder Schenker sind die Freibeträge sowohl für die Schenkungssteuer als auch für die Erbschaftssteuer unterschiedlich.
So gelten folgende Freibeträge:

Zuwendungen als Schenkung oder Erbe an:
Ehegatten: 500.000,00 €
Kinder: 400.000,00 €
Enkelkinder: 200.000,00 €

Im Erbfall:
Eltern: 100.000,00 €
Großeltern: 100.000,00 €

Bei Schenkungen zu Lebzeiten an:
Eltern: 20.000,00 €
Großeltern: 20.000,00 €
Geschwister: 20.000,00 €
Alle anderen: 20.000,00 €

Die Freibeträge sind für die Schenkungs- und Erbschaftssteuer gleichlautend.
Die Freibeträge können alle 10 Jahre in voller Höhe und aufs Neue verwendet werden.
Kinder haben Freibeträge sowohl bei Zuwendungen des Vaters als auch bei Zuwendungen der Mutter in der vorgenannten Höhe.

Praxistipp
Stiefkinder, also Kinder des angeheiraten Ehegatten, haben ebenfalls einen Freibetrag in Höhe von 400.000,00 € und sind damit den leiblichen Kindern gleichgestellt.

Die Steuerklasse bestimmt die Höhe der Steuern.

Der Prozentsatz der Besteuerung in der Erbschafts- und Schenkungssteuer ist von der Steuerklasse abhängig.
Bei der Steuerklasse in der Erbschafts- und Schenkungssteuer handelt es sich um Steuerklassen, die sich nach dem Verwandtschaftsgrad zum Schenker oder Erblasser richten.

Die Steuerklasse in der Erbschafts- und Schenkungssteuer hat nichts mit der Steuerklasse der Einkommenssteuer zu tun.
Die Steuerklasse ergibt sich wie folgt:

Ehegatten: Steuerklasse I
Kinder: Steuerklasse I
Enkelkinder: Steuerklasse I
Eltern/Großeltern (Erbe): Steuerklasse I
Eltern/Großeltern (Schenkung): Steuerklasse II
Geschwister: Steuerklasse II
Alle anderen: Steuerklasse III.

Die Höhe des Steuersatzes, den die Erbschafts- und Schenkungssteuer in Prozent festlegt, richtet sich nach der Höhe des steuerpflichtigen Erwerbs.
Der steuerpflichtige Erwerb ist der Betrag, der wertmäßig nach Abzug der geltenden Freibeträge am Nachlass noch übrig ist.
Die jeweilige Höhe des Steuersatzes entnehmen Sie der nachfolgenden Tabelle:

Die Erbschaftssteuer wird nach folgenden Prozentsätzen erhoben:

Wert des steuerpflichtigen Erwerbs /  Prozentsatz in der Steuerklasse
I II

III

 

75 000 7 15 30
300 000 11 20 30
600 000 15 25 30
6 000 000 19 30 30
13 000 000 23 35 50
26 000 000 27 40 50
über 26 000 000 30 43 50

Praxistipp: Gestaltungsmittel der Adoption von Erwachsenen

Ist der Verwandtschaftsgrad ungünstig, gibt es bei Bestehen eines sogenannten Eltern-Kind-Verhältnisses die Möglichkeit der Erwachsenenadoption, so dass Erwachsene zu Kindern adoptiert werden können und damit sowohl den günstigen Freibetrag als auch die günstige Steuerklasse nutzen können, ohne dass der Erwachsene den Verwandtschaftsgrad zu seinen leiblichen Eltern verliert.

Besonderheiten unter Ehegatten in der Erbschafts- und Schenkungssteuer

Rechtliche Gestaltungen können bei der Erbschafts- bzw. Schenkungssteuer zu ganz erheblichen Steuervorteilen führen, und zwar bei

  • dem Abschluss eines Ehevertrages und der Auswahl des Güterstandes
  • den erbrechtlichen Gestaltungen unter Ehegatten
  • lebzeitigen Zuwendungen unter Ehegatten während der Ehe.

Zugewinnausgleich steuerfrei

Bei Ehegatten mit Zugewinngemeinschaft ist der Zugewinnausgleich immer und in vollem Umfange (unabhängig von der Höhe!) vollständig steuerfrei.
Unter Ehegatten besteht zusätzlich zum eigentlichen Freibetrag in Höhe von 500.000,00 € ein Versorgungsfreibetrag bis zu 256.000,00 €.
Das Familienwohnheim oder die eheliche Wohnung sind in vollem Umfange steuerfrei, wenn die Immobilie noch 10 Jahre von dem anderen Ehegatten genutzt wird (unschädlich ist der Wegzug in ein Pflege- und Altenheim) und die Nutzfläche nicht größer als 240 m² ist.
Dies gilt auch für die Vererbung von Familienwohnheimen und-Wohnungen an Kinder.

Praxistipp
Nach dem Tod eines Ehegatten oder Elternteils sollte nicht zu lange gewartet werden mit dem Einzug in das Familienwohnheim, wenn die vollständige Steuerbefreiung genutzt werden soll.

Die Freibeträge erneuern sich in einem Turnus von 10 Jahren

Bei hohem Vermögen kann es daher sinnvoll sein, frühzeitig mit der Übertragung von Vermögen zu beginnen, um alle 10 Jahre die volle Höhe des jeweiligen Freibetrages ausnutzen zu können.
Alle Regelungen für Ehegatten gelten auch für gleichgeschlechtliche, miteinander verheiratete Lebenspartner!

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